Karriere
Steffi Böhler - mit einem Lächeln durch die Loipen

Wenn man Steffi Böhler persönlich kennen lernt, fällt einem ganz besonders das Strahlen in ihren Augen auf, das auf viel Frohsinn und Lebensfreude schließen lässt - der erste Eindruck täuscht nicht.

Die gebürtige Schwarzwälderin hat Sonne im Herzen, hat immer ein Lächeln auf den Lippen und vermittelt einem das Gefühl, dass sie neben ihrem Leistungssport bemüht ist, "jedem Tag Seele zu geben"; zumeist vollzieht sie dies in kreativen Beschäftigungen, wenn sie teilweise abstrakt, teilweise naturalistisch zeichnet, Klavier spielt oder sich mit Literatur beschäftigt. Die Kreativität fließt selbst in die alltäglichen Dinge des Lebens, wie Kochen oder gar Gartenarbeit, ein; wer "Familienmensch" Steffi in der Küche beobachtet, der wird von allein still, spürt ihren Spaß dabei und freut sich selbst; diese Freude verspüren vor allem ihre zwei männlichen Mitbewohner, die sich ebenfalls dem Skilanglauf verschrieben haben, in einer sog. Sportler-WG in Ruhpolding; zu dritt hatten sie in einem Sommer ein kleines Häuschen renoviert, das durch das eine oder andere von Steffi gemalte Bild geschmückt ist.

Ihre Malerei verrät Freude am Experiment und sie selbst gibt auch unumwunden zu, für vieles im Leben "sehr offen" zu sein, wobei dies jedoch keinesfalls mit Planlosigkeit einhergeht. Dinge vorbehaltlos ausprobieren, abwägen, prüfen, entscheiden und dann konsequent handeln - diese Lebenseinstellung gilt bei Steffi Böhler bei alltäglichen Problemen, bei tiefsinnigen Fragestellungen und selbstverständlich bei ihrem Sport.

Zunächst verband sie den Skilanglauf vorrangig mit dem Naturerlebnis und wuchs ganz allmählich parallel zu ihrer schulischen Ausbildung in den Leistungssport hinein. Mit drei Jahren lief sie ihrem Vater in den Schwarzwälder Loipen hinterher, der sie daraufhin bald mit zum Vereinstraining beim SC Ibach mitnahm. Zwölfjährig nahm sie erstmals bei Schwarzwaldschülermeisterschaften teil, um mit 14 Jahren in den Landeskader aufgenommen zu werden. Nach dem Besuch der Grundschule und des Kollegs St. Blasien wurde Steffi ins Skiinternat Furtwangen aufgenommen, wo sie im Jahr 2000 das Abitur ablegte. Zeitgleich stellten sich Top-Platzierungen bei Juniorenweltmeisterschaften ein, mit denen die Grundlage für ein stetig nach oben verlaufende Leistungssportkarriere gelegt sein sollte. Bei der Weltmeisterschaft 2002 in Val die Fiemme erreichte sie bereits mit dem 10. Platz im Sprint eine bemerkenswerte Leistung.

In der Saison 2004/2005 avancierte sie nach intensiver Sommervorbereitung (mit Golf als Ausgleichssport zum Aufbau mentaler Stärke) zum Shootingstar in der deutschen Mannschaft und konnte sich teilweise als zweitbeste Deutsche im Gesamtweltcup hinter Claudia Künzel beweisen. Bei der bevorstehenden Ski-WM in Oberstdorf 2005 trauen ihr viele Experten einen Staffelplatz zu.

Unabhängig davon wird Steffi Böhler mittel- bis langfristig zu den Athletinnen gehören, die den deutsche Langlaufsport prägen werden. Ihre sportlichen Ziele beschreibt sie selbst bescheiden mit Platzierungen unter den ersten fünfzehn bei Weltcuprennen und mit der Teilnahme an den Olympischen Spielen 2006 in Turin.

Stephan Peplies

Joka